Versicherungsrecht

Fachanwalt für Versicherungsrecht Susanne Herzig

Spezialmaterie Versicherungsrecht

Seit dem Jahr 2009 kann ich den Zusatztitel „Fachanwalt für Versicherungsrecht“ führen. Zusätzlich zu einer langwierigen theoretischen Ausbildung mit Prüfungen muss man hierfür nachweisen, dass man auch tatsächlich überwiegend im Versicherungsrecht arbeitet. Nur wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, darf man sich „Fachanwalt für Versicherungsrecht“ nennen.
Dieser enorme Aufwand ist meiner Ansicht nach gerechtfertigt, weil das Versicherungsrecht eine Spezialmaterie darstellt, die sehr kompliziert ist und sich ohne entsprechende Kenntnisse nicht erschließt.

Gerade, weil auf Seiten der Versicherungen ganz hochspezialisierte Anwälte sitzen, die innerhalb des Versicherungsrechts jeweils nur einen kleinen Teilbereich bearbeiten, ist es wichtig, auch auf Seiten des Versicherungsnehmers einen Fachanwalt zu haben.
Ich für meinen Teil bin ausschließlich auf Seiten von Versicherungsnehmern tätig, habe daher keinerlei berufliche Verbindlichkeiten gegenüber Versicherungen, und habe mich innerhalb meiner Fachanwaltschaft v. a. auf die Fachgebiete „Berufsunfähigkeit“ und „Unfallversicherung“ spezialisiert.

Fachgebiet Berufsunfähigkeit

Der fachliche Begriff „Berufsunfähigkeit“ betrifft die private Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit (und ist damit abzugrenzen von dem Fall, dass jemand z. B. eine Erwerbsunfähigkeitsrente eines staatlichen Versorgungsträgers beantragen möchte. Dies ist Sozialrecht, ein völlig anderes Rechtsgebiet, das ich nicht bearbeite). Eine solche Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit hat man entweder über einen eigenen Vertrag oder aber als Zusatz zu einem Lebensversicherungsvertrag.

Die Vertragsgestaltungen sind dabei individuell verschieden. Erster Prüfungspunkt muss daher die Lektüre der Vertragsbedingungen sein. Dort ist, und zwar in unterschiedlichster Weise, genau definiert, wann und unter welchen Bedingungen für diesen Vertrag Berufsunfähigkeit anzunehmen ist.
Grob gesagt ist dies dann meist der Fall, wenn man über einen längeren Zeitraum seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Dies bedeutet, dass es nicht auf die Arbeitsfähigkeit im Allgemeinen ankommt und auch nicht unbedingt darauf, ob und wie lange man krankgeschrieben ist. Ausgangspunkt muss vielmehr der konkrete Beruf sein, also z. B. Verputzer, Krankenschwester, Kaufmann oder auch Hausfrau. Wenn dieses Tätigkeitsbild zu einem gewissen Prozentsatz, meist mindestens 50%, nicht mehr ausgeübt werden kann, ist Berufsunfähigkeit gegeben. Nochmal zum Verständnis: Bei einem Verputzer reicht u.  U. schon ein kaputter Finger, um die BU zu bejahen, während man bei einem Rechtsanwalt selbst bei einer Querschnittslähmung wohl davon ausgehen würde, dass er seinen Job noch erledigen kann!

Das Verständnis, wann die Definition der Berufsunfähigkeit zutrifft, ist naturgemäß bei Versicherungsnehmer und Versicherung oft unterschiedlich. Im Idealfall wird daher bereits zum Zeitpunkt der Antragstellung ein Fachanwalt für Versicherungsrecht in die Korrespondenz mit eingebunden, um mögliche Probleme erst gar nicht aufkommen zu lassen. Meist bekomme ich das Mandat aber erst nach Ablehnung durch die Versicherung auf den Schreibtisch.
Diese hat die unterschiedlichsten Gründe, was für den juristischen Laien wiederum nur sehr schwer zu durchschauen ist.
Ein Grund ist, dass nach Meinung der Versicherung die Definition der Berufsunfähigkeit nicht erfüllt ist. In diesem Fall muss ich sauber herausarbeiten, warum der Verputzer, obwohl nur ein Finger geschädigt ist, doch nicht mehr arbeiten kann (s. o.).
Ein weiterer wichtiger Ablehnungsgrund ist, dass angeblich bei Antragstellung falsche Angaben gemacht wurden. Hierauf kann die Versicherung mit einer Ablehnung der Leistung, aber auch zusätzlich mit Kündigung und/oder Anfechtung des Vertrags reagieren. In einem solchen Fall gehört die Bearbeitung unbedingt in die Hände eines Fachanwalts für Versicherungsrecht!

Eine weitere Fallgestaltung ist die, dass die Versicherung zunächst tatsächlich eine Zahlung geleistet hat, allerdings ohne Berufsunfähigkeit anzuerkennen, und dann, z. B. nach erfolgter Weiterbildung, keine Zahlung mehr vornehmen will. Hierzu werden oft Vereinbarungen geschlossen, die sich nur vordergründig positiv lesen und die man oft wieder zu Fall bringen kann. Die Versicherung müsste nämlich darauf hinweisen, dass die Vereinbarung für die andere Seite negativ sein könnte. Und dieser Hinweis fehlt selbstredend meistens…

Mein Lieblingsfall ist schließlich der, dass die Versicherung leistet, ihr aber nach einiger Zeit einfällt, der Gesundheitszustand habe sich gebessert, und daher die Leistungen einstellt. Die Hürden für eine Einstellung sind aber so hoch, dass gute Aussichten bestehen, die Leistungen zumindest für eine Zeit weiter zu bekommen.

Voraussetzung ist aber immer, dass man sich wehrt!

Fachgebiet Unfallversicherung

Das Fachgebiet Unfallversicherung ist gegenüber der Berufsunfähigkeit ein vom Grundsatz her einfacheres Rechtsgebiet. Gezahlt wird, wenn man nach einem Unfall einen Dauerschaden davonträgt. Wie hoch die Zahlung ausfällt, hängt zum einen von der Schwere des Dauerschadens ab, zum anderen davon, wie hoch man seine Versicherungssumme gewählt hat (man sagt z. B., dass Jennifer Lopez ihren Allerwertesten für 27 Millionen versichert hat).

Der Teufel steckt dann natürlich im Detail. So haben die Versicherungen zunächst einmal das Recht, den Gutachter, der den Umfang des Dauerschadens festlegt, selbst zu bestimmen. Es ist unschwer zu erraten, auf welche Seite diese Bestimmung oft tendiert. Dann wird versucht, eine Vorschädigung einzuwenden oder mit dem Hinweis auf noch mögliche Besserung nur einen Teilbetrag zu bezahlen. Gerne werden auch vereinbarte Sofortleistungen oder Progressionen „übersehen“.

Auch hier gilt: Nur wer sich wehrt, bekommt sein Recht!

Ich bin immer erstaunt, wie stark hierzulande noch der Glaube ist, eine Versicherung werde schon seriös und im Sinne ihres Versicherungsnehmers abrechnen. Dies ist aber eher weniger der Fall. Ein kurzer Blick des Fachmanns auf eine Abrechnung würde dabei schon genügen, um die Erfolgsaussichten für eine weitere Forderung abschätzen zu können. Dieser kurze Blick ist in der Regel auch kostenlos, sodass jedem Versicherungsnehmer zu raten ist, Abrechnungen der Versicherungen von einem Fachanwalt für Versicherungsrecht überprüfen zu lassen.